Wie alles begann…

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2006

2006 lernte ich auf meiner ersten Kenia Reise Antony Shahenza in Mombasa kennen. Er arbeitete als Freiwilliger für eine Hilfsorganisation, die krebskranke Kinder betreute. Wir wurden Freunde. Ich begleitete ihn auf seinen Kinderbesuchen in dem Spital und ich lernte auch seine Geschwister und deren Kinder kennen.  Die Bescheidenheit wie diese Menschen lebten beeindruckte mich. Verglichen mit unserer Lebensweise, beschämte es mich auch.

Der Vater von Antony ist seit dem Uganda Krieg verschollen. Seine Mutter verstarb als Antony 8 Jahre alt war. Es war seine 8 Jahre ältere Schwester Mary, die sich damals um Antony kümmerte.

Es war wohl keine einfache Zeit aber Mary war eine gute Köchin. Ihr Bohnengericht war in Arbeiterkreisen bekannt und sehr beliebt. Sie kochte täglich auf der Strasse in Mombasa und es mangelte nicht an Kundschaft. Bald war sie bekannt als „Bohnen-Mary“ und finanzierte mit ihrem Erwerb die Schule für Antony.

Die Familie

Antony beendete das College als Mary schwanger wurde. Sie musste heiraten und brachte die Tochter Bijuma zur Welt. Dann folgte Sohn Omar und später Tochter Jamila. Der Mann von Mary und Vater der Kinder hatte keine Schulbildung. Er kann weder lesen noch schreiben. Ein lieber Mann und ein gütiger Vater jedoch konnte er die Familie mit seinen gelegentlichen Hilfsarbeiten nicht unterstützen. Es war „Bohnen-Mary“, die dafür sorgte, dass die Kinder zur Schule konnten und die Familie einigermassen über die Runden kam.

Antony war von da an auf sich gestellt. Ausserdem hat er für seine Neffen Lenox und Levi die Verantwortung übernommen und nach Mombasa geholt. Dies nachdem die Mutter der Neffen gestorben war, der Vater dem Alkohol verfiel und nicht mehr in der Lage war sich um seine Söhne zu kümmern.

Als ich Antony kennenlernte

Das war so als ich Antony 2006 kennenlernte. Ich beschloss ihm zu helfen, denn Antony wollte unbedingt eine Ausbildung als Sozialarbeiter machen um eine feste Anstellung zu bekommen. Ich übernahm die Universitätskosten für Antony und half in der Folge auch oft finanziell wo es mir möglich war. Ich habe zudem viele Pakete verschickt mit nützlichen Dingen auch für die Kinder und das nicht nur an Ostern und Weihnachten. Unsere in dieser Zeit ausgetauschten E-Mails könnten Bücher füllen.

Bei einer meiner weiteren Reisen nach Kenia war Mary hoch schwanger und gebar kurz darauf Tino. Ein Junge, den sie nach mir benannte. Obwohl Antony mit Mary viel über Familienplanung sprach, waren es nun schon vier Kinder. Mary war stolz auf Antony, der nun im letzten Universitätssemester war und dankbar für meine Hilfe. Wir verbrachten eine schöne Zeit mit BBQ am Strand und die Kinder waren sehr glücklich. Es schien alles so hoffnungsvoll.

Mit 26 Jahren schloss Antony seine Ausbildung als „Counsellor and Community Developer“ ab und bekam eine Anstellung bei “Save the Children” in Mombasa. Endlich ein geregeltes, wenn auch bescheidenes, Einkommen! Die Freude war sehr gross.

Sommer 2010

Alles schien auf gutem Weg, als im Sommer 2010 Schwester Mary erneut im siebten Monat schwanger erkrankte und nach kurzer Zeit in der lokalen Krankenstation unerwartet verstarb. Das war ein grosser Schock und die Trauer war riesig. Besonders die Kinder traf dieses Schicksal sehr hart. Ihre Mutter sorgte immer als Ernährerin für die Familie. Die Kinder verloren alles woran sie glauben und hoffen konnten. Sie mussten mit ihren Vater aus dem einfachen Heim ausziehen, da sie die Miete nicht mehr aufbringen konnten. Auch die Schulgebühren konnten nicht mehr bezahlt werden. Die Kinder wurden zum Grossvater väterlicherseits in eine schäbige Slum Hütte gebracht. Zur Schule könnten sie nicht mehr.

Der Verlust ihrer Mutter hat diesen Kindern die Lebensgrundlage genommen. Sie sind zu einer Last geworden, ohne Hoffnung und Zukunft. Mary hatte bei verschiedenen Händlern Schulden hinterlassen. Diese ganze Tragödie und der Verlust ihrer geliebten Mutter lasteten in dieser Zeit schwer auf den Seelen von Bijuma, Omar, Jamila, Tino und dessen Vater.

Die Geburtsstunde von BOJATI

Das war die Geburtsstunde von BOJATI. Ich organisierte eine Charity Party und konnte ein paar Freunde für das Projekt gewinnen. Wir bezahlten Mary’s Schulden und die ersten Schulgelder für die Kinder. Am Weihnachtsabend 2010 stellte sich meine ganze Familie hinter das junge Projekt. Sie und einige Freunde unterstützen es bis heute mit monatlichen Beiträgen.

Der Name BOJATI setzt sich zusammen aus Bijuma, Omar, JAmila, TIno.

Antony betreut das Projekt ehrenamtlich vor Ort in Mombasa und kümmert sich um die Kinder und deren Belangen und Angelegenheiten. Er ist unser Projekt Manager vor Ort. Antony verantwortet den zweckgebundenen Einsatz der Mittel und rapportiert drei Mal jährlich über die Fortschritte und Pläne. Das tut er mit viel Umsicht und Herzblut für die Kinder. Jeder Spender erhält diese Trimester Rapporte per Mail (English). Lesen Sie diese und verfolgen Sie die Fortschritte und das Wachstum von BOJATI in der Rubrik „Berichte“.

Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche. Jeder gespendete Franken kommt ohne Unkosten (ausser Bankspesen) direkt in die Wohlfahrt der Kinder – es sind inzwischen acht Kinder (!), die von BOJATI profitieren. Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe. Dies beinhaltet vor allem Ausbildung, medizinische Versorgung und Gesundheit. Dafür steht unser Logo – der Apfel für die Gesundheit und das Buch für die Ausbildung.

Jambo! Vielen Dank!

Martin Hübscher
Präsident BOJATI

PS: Es mag seltsam klingen in den Ohren einer Gesellschaft in der der Staat für all die überlebenswichtigen Grundbedürfnisse seiner Bürger aufkommt, dass es genau das in vielen Ländern nicht gibt. Leben ist dort kein Recht – man muss es sich leisten können.